Contagion – oder: Quark, nichts als Quark mit Gruseleffekten
Dr. Alexander von Paleske --- 29.10. 2011 ---
Ein neuer Hollywood Film geistert jetzt durch die Kinos: Contagion. Ein Katastrophenfilm. Aber, wie schön, mit letztlich gutem Ausgang.

Contagion - Nichts verbreitet sich schneller als die Angst
Ende gut – wenn auch nicht alles gut, eine solche Epidemie mit einem Frankenstein-Virus namens MEV-1 fordert eben auch ihren Preis.
Keine Botschaft
Ein Film ohne Moral, ohne Botschaft, ohne Quintessenz, kurzum Angst, nichts als Angst, aber am Ende kommt die Erlösung – natürlich aus den USA, wie sollte es anders sein.
Contagion ist ein Film, der natürlich an den aktuellen Gefahren im Gesundheitsbereich - insbesondere die Resistenz gegen Antiinfektiva - die wirklich immer bedrohlicher werden, glatt vorbeischlittert.
Für die Bekämpfung dieser real drohenden Gefahren braucht es weit mehr als einen Impfstoff - aus den USA.
Viruskunde auf Volkshochschulniveau
Contagion unterrichtet ausführlich über Viruserkrankungen. Das ist löblich. Der Zuschauer erfährt durch Kate Winslet als Wissenschaftlerin am Centers for Disease Control (CDC) > was Viruserkranmkungen sind, wie Impfstoffe hergestellt werden, und wieviele Mikroben pro Tag durch den menschlichen Körper rauschen - Wunder der Mikrobiologie auf Volkshochschulniveau gebracht.
Nicht aus den USA
Das MEV-1 Virus stammt natürlich nicht aus den USA, wie sollte es auch, sondern „irgendwo aus Asien“, genauer gesagt aus Macao, eine ehemalige portugiesische Kolonie in China und eine Spielhölle zugleich.
Auch das AIDS-geplagte Südafrika darf im Horror-Movie nicht fehlen. Ebenfalls – wir sind ja in den Zeiten des Internets - muss ein Blogger auftauchen, ein sehr böser, der mit der Angst Geschäfte macht indem er wirkungsloses Zeugs vertreibt.
Natürlich, auch böse chinesische Beamte, die versuchen, eine Untersuchung der Seuche durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu verhindern, dürfen nicht fehlen. Gut und Böse werden für den Zuschauer so leichter erkennbar.
Klischee-Bedienung galore.
Rettung naht - aus den USA
Aber die Rettung naht, wie sollte es anders sein, durch einen US-Wissenschaftler, beim Centers for Disease Control (CDC) angestellt, und der analysiert nicht nur die Virusstruktur mit Überschallgeschwindigkeit, nein, der liefert auch noch den Impfstoff dazu.
Fehlt eigentlich nur, dass ein US-Präsident daraufhin die US-Freiheitsmedaille ans Revers heftet.
Viel Blödsinn
Natürlich, reichlich viel Blödsinn, und die Messages aus diesem postmodernen Frankenstein-Film: Beim Nahen einer Virusepidemie zu Hause bleiben, Fenster schliessen, keine Besuche empfangen, Tee trinken und öfter die Hände waschen, nicht nach Hongkong fliegen, darüber hinaus Ehe-Scheidungen gründlicher zu überlegen, und auf Übersee-Trips nicht fremdzugehen.
Es erinnert irgendwie an die Aktentaschen, die in den 50er und frühen 60er Jahren empfohlen wurden, falls die bösen Russen eine Atombombe abwerfen sollten: Aktentasche vors Gesicht und auf den Atom-Gegenschlag des US-Kommandos in Omaha / Nebraska mit den B-52 Bombern warten.
Versäumte Gelegenheit
Dabei hätte der Regisseur von Contagion, Steven Soderbergh, wirklich etwas aus dem Thema „Infektionen“ machen können, statt Erinnerungen an die SARS-Seuche im Jahre 2003 und das Nipah-Virus in Malaysia im Jahre 1999 aufzuwärmen: Er hätte nicht nach China reisen müssen, um sein abstruses MEV-1 Virus zu erfinden, er hätte nur in die nächstgelegene Tierfabrik gehen müssen, insbesondere in eine Geflügelmastfabrik - die schlimmsten befinden sich in den USA - wo die Tiere in ihrem Kot stehen und mit Antibiotika vollgepumpt werden, wir berichteten darüber.
Dann hätte er nur noch von einem CDC-Wissenschaftler, sofern nicht bestochen, ein Zukunftsszenario sich entwerfen lassen brauchen, das realistische Horrorvisionen enthielte, die nicht nur seine Contagion-Horrorszenen in den Schatten gestellt hätten, sondern vielen Zuschauern den Appetit an Mastgeflügel verdorben und sie auch nachhaltig aufgeschreckt hätten. Viel mehr noch als der jüngste Beitrag des NDR, „Antibiotikamast“, der sich wieder in verdienstvoller Weise des Themas angenommen hat.
Denn, wenn es so weiterläuft wie bisher, insbesondere mit der Massentierhaltung, (und verbunden damit der nicht artgerechten Tierfütterung und dem massenweise Verfüttern von Antibiotika) dann werden wir nicht nur neue Erkrankungen wie EHEC, chronischer Botulismus, BSE, Schweineviren und anderes haben, sondern als Zugabe noch die vollständige Antibiotikaresistenz, auf die wir in mehreren Artikeln verwiesen haben.
Die internationale Top-Medizinzeitung Lancet hat gerade (wieder einmal) im Juli 2011 auf die drohenden Gefahren hingewiesen:
„Society´s failure to protect a precious resource: antibiotics“
Was das konkret heisst: Selbst heute ohne Probleme durch Antibiotika behandelbare bakterielle Infektionen werden dann, wie vor der Antibiotikaära, die noch nicht einmal 100 Jahre alt ist, zu potentiell tödlichen Erkrankungen. Und umfangreiche Operationen und Organtransplantationen werden dann der Vergangenheit angehören.
Bleibt noch zu erwähnen, dass gerade auch die Grünen sich dieser Problematik nur in höchst rudimentärer Weise angenommen haben, wenn überhaupt.
.
Der Kampf gegen die Massentierhaltung und ihre Gefahren hat in aller Ernsthaftigkeit noch gar nicht begonnen.
Zur Antibiotikaresistenz
Antibiotikaresistenz: Nach Pest, Tripper, MRSA, NDM-1, TB, Campylobacter nun die Salmonellen
Bleibt die Gonorrhoe (Tripper) behandelbar?
Antibiotika-Resistenz: Spätes Erwachen. Oder: Minister Bahrs Wort zum Sonntag
WHO, Weltgesundheitstag und Antibiotikaresistenz - eine Nachbemerkung
Pest-Seuche und Antibiotika-Resistenz
Eine besiegt geglaubte Krankheit droht wieder zur unkontrollierbaren Seuche zu werden
Antibiotika oder Massentierhaltung?
Der Dioxin-Skandal flaut ab, die Probleme der Massentierhaltung bleiben
Die Zukunft heisst Resistenz? – Antiinfektiva verlieren ihre Wirksamkeit
Hilflos bei Infektionen - Antibiotika verlieren ihre Wirksamkeit
Tierfabriken, Schweineviren und die Zukunft
Bittere Pillen für die Dritte Welt
Welt-Tuberkulose Tag - eine Krankheit weiter auf dem Vormarsch</
Ein neuer Hollywood Film geistert jetzt durch die Kinos: Contagion. Ein Katastrophenfilm. Aber, wie schön, mit letztlich gutem Ausgang.

Contagion - Nichts verbreitet sich schneller als die Angst
Ende gut – wenn auch nicht alles gut, eine solche Epidemie mit einem Frankenstein-Virus namens MEV-1 fordert eben auch ihren Preis.
Keine Botschaft
Ein Film ohne Moral, ohne Botschaft, ohne Quintessenz, kurzum Angst, nichts als Angst, aber am Ende kommt die Erlösung – natürlich aus den USA, wie sollte es anders sein.
Contagion ist ein Film, der natürlich an den aktuellen Gefahren im Gesundheitsbereich - insbesondere die Resistenz gegen Antiinfektiva - die wirklich immer bedrohlicher werden, glatt vorbeischlittert.
Für die Bekämpfung dieser real drohenden Gefahren braucht es weit mehr als einen Impfstoff - aus den USA.
Viruskunde auf Volkshochschulniveau
Contagion unterrichtet ausführlich über Viruserkrankungen. Das ist löblich. Der Zuschauer erfährt durch Kate Winslet als Wissenschaftlerin am Centers for Disease Control (CDC) > was Viruserkranmkungen sind, wie Impfstoffe hergestellt werden, und wieviele Mikroben pro Tag durch den menschlichen Körper rauschen - Wunder der Mikrobiologie auf Volkshochschulniveau gebracht.
Nicht aus den USA
Das MEV-1 Virus stammt natürlich nicht aus den USA, wie sollte es auch, sondern „irgendwo aus Asien“, genauer gesagt aus Macao, eine ehemalige portugiesische Kolonie in China und eine Spielhölle zugleich.
Auch das AIDS-geplagte Südafrika darf im Horror-Movie nicht fehlen. Ebenfalls – wir sind ja in den Zeiten des Internets - muss ein Blogger auftauchen, ein sehr böser, der mit der Angst Geschäfte macht indem er wirkungsloses Zeugs vertreibt.
Natürlich, auch böse chinesische Beamte, die versuchen, eine Untersuchung der Seuche durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu verhindern, dürfen nicht fehlen. Gut und Böse werden für den Zuschauer so leichter erkennbar.
Klischee-Bedienung galore.
Rettung naht - aus den USA
Aber die Rettung naht, wie sollte es anders sein, durch einen US-Wissenschaftler, beim Centers for Disease Control (CDC) angestellt, und der analysiert nicht nur die Virusstruktur mit Überschallgeschwindigkeit, nein, der liefert auch noch den Impfstoff dazu.
Fehlt eigentlich nur, dass ein US-Präsident daraufhin die US-Freiheitsmedaille ans Revers heftet.
Viel Blödsinn
Natürlich, reichlich viel Blödsinn, und die Messages aus diesem postmodernen Frankenstein-Film: Beim Nahen einer Virusepidemie zu Hause bleiben, Fenster schliessen, keine Besuche empfangen, Tee trinken und öfter die Hände waschen, nicht nach Hongkong fliegen, darüber hinaus Ehe-Scheidungen gründlicher zu überlegen, und auf Übersee-Trips nicht fremdzugehen.
Es erinnert irgendwie an die Aktentaschen, die in den 50er und frühen 60er Jahren empfohlen wurden, falls die bösen Russen eine Atombombe abwerfen sollten: Aktentasche vors Gesicht und auf den Atom-Gegenschlag des US-Kommandos in Omaha / Nebraska mit den B-52 Bombern warten.
Versäumte Gelegenheit
Dabei hätte der Regisseur von Contagion, Steven Soderbergh, wirklich etwas aus dem Thema „Infektionen“ machen können, statt Erinnerungen an die SARS-Seuche im Jahre 2003 und das Nipah-Virus in Malaysia im Jahre 1999 aufzuwärmen: Er hätte nicht nach China reisen müssen, um sein abstruses MEV-1 Virus zu erfinden, er hätte nur in die nächstgelegene Tierfabrik gehen müssen, insbesondere in eine Geflügelmastfabrik - die schlimmsten befinden sich in den USA - wo die Tiere in ihrem Kot stehen und mit Antibiotika vollgepumpt werden, wir berichteten darüber.
Dann hätte er nur noch von einem CDC-Wissenschaftler, sofern nicht bestochen, ein Zukunftsszenario sich entwerfen lassen brauchen, das realistische Horrorvisionen enthielte, die nicht nur seine Contagion-Horrorszenen in den Schatten gestellt hätten, sondern vielen Zuschauern den Appetit an Mastgeflügel verdorben und sie auch nachhaltig aufgeschreckt hätten. Viel mehr noch als der jüngste Beitrag des NDR, „Antibiotikamast“, der sich wieder in verdienstvoller Weise des Themas angenommen hat.
Denn, wenn es so weiterläuft wie bisher, insbesondere mit der Massentierhaltung, (und verbunden damit der nicht artgerechten Tierfütterung und dem massenweise Verfüttern von Antibiotika) dann werden wir nicht nur neue Erkrankungen wie EHEC, chronischer Botulismus, BSE, Schweineviren und anderes haben, sondern als Zugabe noch die vollständige Antibiotikaresistenz, auf die wir in mehreren Artikeln verwiesen haben.
Die internationale Top-Medizinzeitung Lancet hat gerade (wieder einmal) im Juli 2011 auf die drohenden Gefahren hingewiesen:
„Society´s failure to protect a precious resource: antibiotics“
Was das konkret heisst: Selbst heute ohne Probleme durch Antibiotika behandelbare bakterielle Infektionen werden dann, wie vor der Antibiotikaära, die noch nicht einmal 100 Jahre alt ist, zu potentiell tödlichen Erkrankungen. Und umfangreiche Operationen und Organtransplantationen werden dann der Vergangenheit angehören.
Bleibt noch zu erwähnen, dass gerade auch die Grünen sich dieser Problematik nur in höchst rudimentärer Weise angenommen haben, wenn überhaupt.
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Der Kampf gegen die Massentierhaltung und ihre Gefahren hat in aller Ernsthaftigkeit noch gar nicht begonnen.
Zur Antibiotikaresistenz













onlinedienst - 29. Okt, 13:35 Article 2116x read