MERS breitet sich jetzt in Korea aus. Erneutes Versagen auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Dr. Alexander von Paleske ---- 4.6. 2015 ------Das MERS (Middle East Respiratory Syndrom) verursachende Virus, ein Corona-Virus, zuerst vor drei Jahren in Saudi-Arabien als Verursacher einer schweren Infektionskrankheit mit einer hohen Todesrate entdeckt, ist wieder in den Schlagzeilen, nachdem es lange Zeit daraus verschwunden war. Eine trügerische Ruhe wie sich jetzt zeigt.

Corona-Virus (schematisch)

Corona Virus - EM-Aufnahme
Das verursachende Virus vermehrt sich erst in den oberen Atemwegen (Nase, Rachen), alsdann findet ein Etagenwechsel in die Lunge statt, mit einer schweren Lungenentzündung bis zum Lungenversagen (ARDS). Bakterielle Superinfektionen können komplizierend hinzukommen. Auch die Nieren können befallen werden, mit der Folge des Nierenversagens.
Hohe Todesrate
Bis Ende Mai 2015 wurden nach weltweit 1172 MERS-Fälle gemeldet - fast ausschliesslich auf der Arabischen Halbinsel. 479 Menschen starben an den Folgen der Infektion.
Als Erregerreservoir werden Fledermäuse angenommen, so wie beim Tollwutvirus und dem Ebola-Virus auch. Offenbar nach Mutationen sprang das Virus auf Kamele über, und vermutlich nach weiteren Mutationen auch auf den Menschen.
Vor einem Jahr schrieben wir zum Ausbruch von MERS in Saudi-Arabien:
Einerseits wird die Übertragung von Mensch zu Mensch als "nicht bewiesen" hingestellt, anderseits erklärte ein Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO):
"Uns geht es jetzt darum, herauszufinden, wie der Erreger von Kamelen auf Menschen überspringt. Es gibt Hinweise, dass die Symptome bei einer Ansteckung von Mensch zu Mensch weniger schwerwiegend sind, als wenn der Erreger vom Tier auf den Menschen übergeht."
Längt war damals jedoch schon bewiesen, dass das Virus, auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann: bewiesen an den Krankenhausbediensteten in Saudi Arabien die erkrankten, keinen Kontakt mit Kamelen, jedoch Kontakt mit erkrankten Patienten hatten.
Kamele woanders
Die Kamele sassen und sitzen offenbar in den Gesundheitsministerien und in der WHO.

Kamele - nicht nur in der Wüste
Anstatt auf die fortdauernde Gefahr aufmerksam zu machen, und Reisenden zu empfehlen, bei entsprechenden Krankheitssymptomen sofort sich in ärztliche Behandlung unter dem Verdacht dieser Erkrankung zu begeben, wurde die Krankheitsgefahr eher verharmlost, oder, noch schlimmer: einfach vergessen – mit fatalen Folgen wie sich jetzt zeigt. Die WHO erklärte gar::
"Die Fälle sind "lokal begrenzt" und der gegenwärtige Anstieg ihrer Zahl hat "womöglich triviale Ursachen".
Von Bahrein nach Korea
Ein 68 jähriger Koreaner, der sich in Bahrein, einem kleinen Nachbarstaat von Saudi-Arabien aufhielt, infizierte sich mit dem Virus, das MERS verursacht.
Infektionsquelle: unbekannt.

Bahrein
In Bahrein gab es bisher – angeblich - keine Infektionen mit dem Virus.
Zurückgekehrt nach Süd-Korea entwickelte er die typischen Krankheitssymptome, und steckte weitere Personen.an, die wiederum andere ansteckten.
Die Zahl der bestätigten Infektionsfälle lag vorgestern bei 30, heute bereits bei 35, drei davon starben bereits. Und der Sohn des Indexpatienten reiste nach China, erkrankte dort und steckte dort möglicherweise weitere Personen an.
25 der 35 Patienten hatten sich offenbar in einem Krankenhaus infiziert. Der Beginn einer kleinen Epidemie. Bei den jüngst diagnostizierten Fällen hatten die Patienten keinen Kontakt mit dem Rückkehrer aus Bahrein.
Ignoranz rächt sich
Die koreanischen Gesundheitsbehörden, von den behandelten Ärzten alarmiert, ignorierten das Problem zunächst. Mit fatalen Folgen: So wurde ein Patient mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ein grösseres Krankenhaus überwiesen, die Mitreisenden damit einem Infektionsrisiko ausgesetzt, statt ihn in einem Ambulanzfahrzeug zu befördern.
Mittlerweile kamen 1300 Kontaktpersonen der Infizierten in Quarantäne, 700 Schulen schlossen die Gesundheitsbehörden als Vorsichtsmassnahme.

Hinweistafel in Süd-Korea
Nach Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist Südkorea jetzt das Land mit den meisten bestätigten MERS-Fällen
„Ein solch großer Ausbruch außerhalb des Nahen Ostens ist eine neue Entwicklung“
warnt nun die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Allerdings eine Entwicklung, die keineswegs überraschend kommt, denn anders als bei der SARS-Epidemie vor 13 Jahren war das MERS verursachende Virus und dessen Reservoir keineswegs eliminiert.
Schnee von gestern
Bis vor einem Jahr galt folgendes:
1. Die Übertragungsrate anfangs offenbar gering, aber anders, als zuerst angenommen, ist die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch möglich, und offenbar häufiger. Dafür ist allerdings eine körperliche Nähe zu der Infizierten Person erforderlich, vermutlich weil eine grössere Menge infektiösen Material zur Übertragung notwendig ist (Tröpfcheninfektion nach Niesen und Husten ). Vermutlich auch, weil das Virus ausserhalb der Körpers nicht überlebensfähig ist.
2. Die Letalität, d.h. der Prozentsatz der Infizierten, der an der Infektion stirbt ist, sehr hoch, sie liegt bei rund 35%, insbesondere wenn der Patient noch an anderen Erkrankungen wie z.B. Diabetes leidet.
Mutationsbedingte erhöhte Ansteckungsgefahr?
Offenbar ist die Infektiosität des Virus mittlerweile gesteigert, was die Konsequenz von Spontanmutationen sein könnte, auch wenn ein deutscher Virologe von der Uni Bonn behauptet,
„das Virus sieht in diesem Jahr nicht gross anders aus, als vor einem Jahr“,
also keine Neumutation, so spricht die rasche Ausbreitung in Korea deutlich dagegen.
Südkorea wird vermutlich die Epidemie unter Kontrolle bekommen. Das gilt jedoch nicht für Saudi-Arabien und die Nachbarländer. Dort wurden die notwendigen Massnahmen nicht konsequent durchgeführt:
- Unverzügliche Klärung, wie lange das Virus von Kamelen ausgeschieden wird und wo
- Sofortiges Verbot der Verbreitung von Kamelprodukten (Milch, Fleisch)
- Unterbindung der Kontakte Mensch-Kamele - soweit möglich.
- Durchforstung weiterer Haustiere nach Antikörpern gegen das MERS-Virus
- Sofortige und konsequente Isolierung aller Verdachtsfälle der Erkrankung, und maximaler Schutz des medizinischen Personals.
Kontrolle von SARS als Vorbild
Die SARS- Epidemie vor 13 Jahren, auch durch ein Corona Virus verursacht, hat gezeigt, wie man erfolgreich den Ausbruch einer derartigen Krankheit unter Kontrolle bringen kann – selbst ohne zu impfen. Die Impfung, so ein Impfstoff verfügbar, könnte sich dann auf bestimmte Risikogruppen beschränken, insbesondere das medizinische Personal – und auf Kamele.
Darüber hinaus dürfte es ratsam sein, Reisen nach Saudi-Arabien und Nachbarländer , so nicht dringend geboten, zu unterlassen. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass selbst eine mehrstündige Flugreise in der Nachbarschaft eines Infizierten bzw. auf einem der Umsteigeflughäfen am Golf nicht doch ausreicht, um die Krankheit zu übertragen.
Die Empfehlung, sich von Atemwegserkrankten in Saudi-Arabien und den Golfstaaten tunlichst fernzuhalten, kann demgegenüber nur als Witz betrachtet werden. Derartige Patienten dürften wohl kaum ein Schild mit Diagnose MERS mit sich herumtragen, zumal die meisten selbst ihre Diagnose zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennen.
NACHTRAG 13.6. 2015
Bis heute sind 14 Patienten in Korea gestorben, und insgesamt bei 138 Personen die Infektion nachgewiesen.
Wie gefährlich ist das MERS-Virus wirklich?
Wie gefährlich ist das neue Corona-Virus NCoV?
Vogelgrippe H7N9 in China: Eine neue gefährliche Epidemie?
Zur WHO
Welt-Gesundheitsversammlung in Genf: Der „zahnlose Tiger“ WHO verspricht viel und will mehr Geld
Ebola Epidemie in Westafrika: Wie krank ist die Weltgesundheitsorganisation WHO?
Ebola, Malaria, Medikamentenresistenz und die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Ebola-Epidemie und die Krise im Gesundheitswesen in Westafrika
Antibiotikaresistenz – eine Warnung vom „Schnarchverein“ Weltgesundheitsorganisation (WHO)
WHO, Weltgesundheitstag und Antibiotikaresistenz - eine Nachbemerkung
Tuberkulose und die Krise bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Kein Nachlassen der Schreckensmeldungen
Medikamente ohne Wirkstoffe – ein hochlukratives Geschäft mit tödlichen Folgen
Weltgesundheitsorganisation (WHO) – ein teurer, bisher zahnloser Tiger im Kampf gegen gefälschte Medikamente

Corona-Virus (schematisch)

Corona Virus - EM-Aufnahme
Das verursachende Virus vermehrt sich erst in den oberen Atemwegen (Nase, Rachen), alsdann findet ein Etagenwechsel in die Lunge statt, mit einer schweren Lungenentzündung bis zum Lungenversagen (ARDS). Bakterielle Superinfektionen können komplizierend hinzukommen. Auch die Nieren können befallen werden, mit der Folge des Nierenversagens.
Hohe Todesrate
Bis Ende Mai 2015 wurden nach weltweit 1172 MERS-Fälle gemeldet - fast ausschliesslich auf der Arabischen Halbinsel. 479 Menschen starben an den Folgen der Infektion.
Als Erregerreservoir werden Fledermäuse angenommen, so wie beim Tollwutvirus und dem Ebola-Virus auch. Offenbar nach Mutationen sprang das Virus auf Kamele über, und vermutlich nach weiteren Mutationen auch auf den Menschen.
Vor einem Jahr schrieben wir zum Ausbruch von MERS in Saudi-Arabien:
Einerseits wird die Übertragung von Mensch zu Mensch als "nicht bewiesen" hingestellt, anderseits erklärte ein Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO):
"Uns geht es jetzt darum, herauszufinden, wie der Erreger von Kamelen auf Menschen überspringt. Es gibt Hinweise, dass die Symptome bei einer Ansteckung von Mensch zu Mensch weniger schwerwiegend sind, als wenn der Erreger vom Tier auf den Menschen übergeht."
Längt war damals jedoch schon bewiesen, dass das Virus, auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann: bewiesen an den Krankenhausbediensteten in Saudi Arabien die erkrankten, keinen Kontakt mit Kamelen, jedoch Kontakt mit erkrankten Patienten hatten.
Kamele woanders
Die Kamele sassen und sitzen offenbar in den Gesundheitsministerien und in der WHO.

Kamele - nicht nur in der Wüste
Anstatt auf die fortdauernde Gefahr aufmerksam zu machen, und Reisenden zu empfehlen, bei entsprechenden Krankheitssymptomen sofort sich in ärztliche Behandlung unter dem Verdacht dieser Erkrankung zu begeben, wurde die Krankheitsgefahr eher verharmlost, oder, noch schlimmer: einfach vergessen – mit fatalen Folgen wie sich jetzt zeigt. Die WHO erklärte gar::
"Die Fälle sind "lokal begrenzt" und der gegenwärtige Anstieg ihrer Zahl hat "womöglich triviale Ursachen".
Von Bahrein nach Korea
Ein 68 jähriger Koreaner, der sich in Bahrein, einem kleinen Nachbarstaat von Saudi-Arabien aufhielt, infizierte sich mit dem Virus, das MERS verursacht.
Infektionsquelle: unbekannt.

Bahrein
In Bahrein gab es bisher – angeblich - keine Infektionen mit dem Virus.
Zurückgekehrt nach Süd-Korea entwickelte er die typischen Krankheitssymptome, und steckte weitere Personen.an, die wiederum andere ansteckten.
Die Zahl der bestätigten Infektionsfälle lag vorgestern bei 30, heute bereits bei 35, drei davon starben bereits. Und der Sohn des Indexpatienten reiste nach China, erkrankte dort und steckte dort möglicherweise weitere Personen an.
25 der 35 Patienten hatten sich offenbar in einem Krankenhaus infiziert. Der Beginn einer kleinen Epidemie. Bei den jüngst diagnostizierten Fällen hatten die Patienten keinen Kontakt mit dem Rückkehrer aus Bahrein.
Ignoranz rächt sich
Die koreanischen Gesundheitsbehörden, von den behandelten Ärzten alarmiert, ignorierten das Problem zunächst. Mit fatalen Folgen: So wurde ein Patient mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ein grösseres Krankenhaus überwiesen, die Mitreisenden damit einem Infektionsrisiko ausgesetzt, statt ihn in einem Ambulanzfahrzeug zu befördern.
Mittlerweile kamen 1300 Kontaktpersonen der Infizierten in Quarantäne, 700 Schulen schlossen die Gesundheitsbehörden als Vorsichtsmassnahme.

Hinweistafel in Süd-Korea
Nach Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist Südkorea jetzt das Land mit den meisten bestätigten MERS-Fällen
„Ein solch großer Ausbruch außerhalb des Nahen Ostens ist eine neue Entwicklung“
warnt nun die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Allerdings eine Entwicklung, die keineswegs überraschend kommt, denn anders als bei der SARS-Epidemie vor 13 Jahren war das MERS verursachende Virus und dessen Reservoir keineswegs eliminiert.
Schnee von gestern
Bis vor einem Jahr galt folgendes:
1. Die Übertragungsrate anfangs offenbar gering, aber anders, als zuerst angenommen, ist die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch möglich, und offenbar häufiger. Dafür ist allerdings eine körperliche Nähe zu der Infizierten Person erforderlich, vermutlich weil eine grössere Menge infektiösen Material zur Übertragung notwendig ist (Tröpfcheninfektion nach Niesen und Husten ). Vermutlich auch, weil das Virus ausserhalb der Körpers nicht überlebensfähig ist.
2. Die Letalität, d.h. der Prozentsatz der Infizierten, der an der Infektion stirbt ist, sehr hoch, sie liegt bei rund 35%, insbesondere wenn der Patient noch an anderen Erkrankungen wie z.B. Diabetes leidet.
Mutationsbedingte erhöhte Ansteckungsgefahr?
Offenbar ist die Infektiosität des Virus mittlerweile gesteigert, was die Konsequenz von Spontanmutationen sein könnte, auch wenn ein deutscher Virologe von der Uni Bonn behauptet,
„das Virus sieht in diesem Jahr nicht gross anders aus, als vor einem Jahr“,
also keine Neumutation, so spricht die rasche Ausbreitung in Korea deutlich dagegen.
Südkorea wird vermutlich die Epidemie unter Kontrolle bekommen. Das gilt jedoch nicht für Saudi-Arabien und die Nachbarländer. Dort wurden die notwendigen Massnahmen nicht konsequent durchgeführt:
- Unverzügliche Klärung, wie lange das Virus von Kamelen ausgeschieden wird und wo
- Sofortiges Verbot der Verbreitung von Kamelprodukten (Milch, Fleisch)
- Unterbindung der Kontakte Mensch-Kamele - soweit möglich.
- Durchforstung weiterer Haustiere nach Antikörpern gegen das MERS-Virus
- Sofortige und konsequente Isolierung aller Verdachtsfälle der Erkrankung, und maximaler Schutz des medizinischen Personals.
Kontrolle von SARS als Vorbild
Die SARS- Epidemie vor 13 Jahren, auch durch ein Corona Virus verursacht, hat gezeigt, wie man erfolgreich den Ausbruch einer derartigen Krankheit unter Kontrolle bringen kann – selbst ohne zu impfen. Die Impfung, so ein Impfstoff verfügbar, könnte sich dann auf bestimmte Risikogruppen beschränken, insbesondere das medizinische Personal – und auf Kamele.
Darüber hinaus dürfte es ratsam sein, Reisen nach Saudi-Arabien und Nachbarländer , so nicht dringend geboten, zu unterlassen. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass selbst eine mehrstündige Flugreise in der Nachbarschaft eines Infizierten bzw. auf einem der Umsteigeflughäfen am Golf nicht doch ausreicht, um die Krankheit zu übertragen.
Die Empfehlung, sich von Atemwegserkrankten in Saudi-Arabien und den Golfstaaten tunlichst fernzuhalten, kann demgegenüber nur als Witz betrachtet werden. Derartige Patienten dürften wohl kaum ein Schild mit Diagnose MERS mit sich herumtragen, zumal die meisten selbst ihre Diagnose zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennen.
NACHTRAG 13.6. 2015
Bis heute sind 14 Patienten in Korea gestorben, und insgesamt bei 138 Personen die Infektion nachgewiesen.



Zur WHO









onlinedienst - 4. Jun, 09:46 Article 5438x read